Katinka Poensgen Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald – Dora
Bei den jährlich stattfindenden Weimarer Reden ging es letzten Monat um Erinnerungskultur. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, hat dort eine Neuausrichtung der deutschen Erinnerungskultur gefordert. Er plädierte in seiner Rede dafür, in der Gedenkarbeit nicht nur in den Abgrund der Geschichte zu schauen, sondern stärker positive humanistische Traditionen einzubeziehen, um junge Menschen besser zu erreichen.
Dem kann ich aus vollem Herzen zustimmen. Genau deswegen beschäftigen wir uns in der LAG so intensiv mit dem organisierten Widerstand der politischen Häftlinge und der Frage, was wir daraus für den heutigen Kampf gegen den Faschismus lernen können.
Und ich freue mich, dass das Thema Widerstand auch das Jahresthema der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in 2026 ist. Hierzu bieten die Gedenkstätten eine Reihe von Veranstaltungen zur Vielfalt und den unterschiedlichen Bedingungen des Widerstands an. Dazu wird es auch Beiträge in ganz neuen Formaten im öffentlichen Raum geben: „Widerstand. Hörgeschichten aus Thüringen 1939-1945“.
Fast noch wichtiger als die inhaltliche Auseinandersetzung um gute Gedenkarbeit scheint aber die finanzielle Situation der Lern- und Gedenkorte zu sein.
Bereits im letzten Jahr hat die CDU/CSU mit ihrer Bundestagsanfrage zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ ein deutliches Signal gesetzt: 551 Fragen zu 14 NGOs stellten die Gemeinnützigkeit und Legitimität zivilgesellschaftlicher Akteur:innen in Frage.
Dann folgte vor wenigen Wochen der Ausschluss drei linker Buchhandlungen aus der Verleihung des Buchhandlungspreises durch den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Und jetzt stehen mehr als 200 konkrete Projekte unmittelbar vor dem AUS, darunter Initiativen gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen digitale Gewalt, da die Bundesministerin Karin Prien, CDU, die Förderung des Programms „Demokratie leben“ zum Jahresende auslaufen lassen will.
Das alles ist vermutlich nur ein Vorgeschmack dessen, was mit einer AFD in Regierungsverantwortung noch auf uns zu kommen könnte.
20 Kilometer von hier entfernt findet dieses Wochenende in Erfurt eine Aktionskonferenz des Bündnisses Widersetzen statt. Es geht um die Vorbereitungen der Aktionen zur Verhinderung des Bundesparteitags der AFD Anfang Juli, exakt 100 Jahre nach dem Parteitag der NSDAP in Weimar.
Wir freuen uns , dass zeitgleich zu unserm Gedenkwochenende die Aktionen gegen den AFD Parteitag vorbereitet werden und sind im Juli in Erfurt mit dabei:
Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es!
Ihr habt alle mitbekommen, dass es um den heutigen Gedenktag heftige Auseinandersetzungen gegeben hat – einerseits um die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“, andererseits um das Grußwort des bereits erwähnten Kulturstaatsministers Wolfram Weimer auf dem ehemaligen Appellplatz. Zur genannten Kampagne liegt an unserm Büchertisch die gemeinsame Stellungnahme der LAG und LG aus, sowie ein gemeinsamer Offener Brief an den Kulturstaatsminister – beides findet sich auch auf der Homepage der LAG.
Außerdem gibt es dort eine Stellungsname von Dr. Ulrich Schneider zum neuen, nicht ausgezeichneten Buch von Ines Geipel, einem erneuten Versuch die „Roten Kapos“ in den Dreck zu ziehen.
Ich möchte an dieser Stelle einfach drei ehemalige Buchenwaldhäftlinge zitieren:
1. Kurt Julius Goldstein, Kapo in Auschwitz, bevor er im Januar 1945 mit einem Todesmarsch hier in Buchenwald ankam. Einer seiner Söhne, André Goldstein, wird nachher noch mehr zu ihm sagen:
„Als ehemaliger Kapo kann ich bezeugen, was es bedeutete, als politischer Häftling eine solche Lagerfunktion auszuüben. Es ging darum, mitten in er Hölle ein Minimum an Verbesserungen für die Häftlinge des Kommandos zu erkämpfen. Dabei musste natürlich stets bei der SS der Eindruck erhalten bleiben, der Kapo handele ausschließlich in ihrem Interesse, er sorge für straffe „Ordnung“ und höchste Arbeitsleistungen. Es war ein Drahtseilakt, täglich und stündlich. Der geringste Fehler führte unweigerlich zum Tod.“
2. Eugen Kogon, Katholik, Publizist und langjähriger Buchenwaldhäftling schrieb in seinem Buch „Der SS Staat“:
„Der Verdienst der Kommunisten um die Konzentrationslager-Gefangenen kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. In manchen Fällen verdanken ihnen die Lagerinsassen buchstäblich ihr Leben.“
3. Benedikt Kautzky, Östreichischer Ökonom, Sozialdemokrat und ebenfalls langjähriger Buchenwaldhäftling in seinem Buch „Teufel und Verdammte“ zu den letzten Tagen in Buchenwald:
„Das Lager wahrte im Allgemeinen Disziplin und ordnete sich freiwillig den deutschen Politischen unter, die in diesen Tagen in meisterhafter Weise das Lager geführt und 21.000 Häftlingen das Leben gerettet haben. Ich als Sozialdemokrat lege auf diese Feststellung umso größeren Wert, als es sich in den verantwortlichen Stellen ausschließlich um Kommunisten handelte, die in vorbildlicher Internationaler Solidarität allen Antifaschisten ohne Unterschied der Partei, Nation oder Konfession ihre Hilfe zuteil werden ließen.“
Damit ist zur Rolle der Roten Kapos zwar nicht alles , aber doch das Wesentliche gesagt.
Jetzt gebe ich das Wort an Sabine Stein zum Thema:
„Der 18. Oktober 1941 und seine Auswirkung auf die Widerstandstätigkeit“
Als nächstes hören wir zwei Lieder vom Frauen-Chor Lyra:
Das Lied Wiegala, dass die jüdische Dichterin und Krankenschwester Ilse Weber im KZ Theresienstadt für die von ihr in der Krankenstube betreuten Kinder schrieb. Als im Oktober 1944 der Befehl zur Deportation der kranken Kinder nach Auschwitz kam, meldete Ilse Weber sich freiwillig, um die Kinder auf ihrem letzten Weg in die Gaskammer zu begleiten.
Außerdem hören wir das jüdische Lied Mayn Rueplats von Morris Rosenfeld aus dem Jahr 1911. Es handelt von den harten Arbeitsbedingungen jüdischer Einwanderer in der amerikanischen Textilindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt den Kontrast zwischen der Hoffnung auf ein besseres Leben und der enttäuschenden Wirklichkeit. Das Lied wird häufig als Hymne der jüdischen Arbeiterbewegung interpretiert.
Vielen Dank an den Frauenchor Lyra!
Es folgen nun zwei Berichte von Nachkommen: André Roth zur Internationalen Militärorganisation
und André Goldstein zu den Internationalen Brigaden.
Direkt im Anschluss folgt eine Erklärung der LAG.
