Bereits seit vielen Jahren beteiligt sich die LAG Buchenwald-Dora e.V. am Baumpflanzungsprojekt „1000 Buchen“ des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda. Im Rahmen dieses Projekts pflanzen und pflegen Menschen mit und ohne Behinderung Bäume als lebendige Mahnmale, die einzelnen Buchenwald-Häftlingen oder auch ganzen Gefangenengruppen gewidmet sind.
Am Samstag, den 11. April 2026 war es wieder so weit. Gekommen waren mehr als 200 Teilnehmer, um bei schönstem Sonnenschein im Landschaftspark Nohra an den Gedenkfeierlichkeiten zur Pflanzung von fünf weiteren Erinnerungsbäumen teilzunehmen.
Die neuen Bäume wurden gepflanzt für:
- Otto Roth
Häftlingsnummer 6204, inhaftiert in Buchenwald vom 15.9.1939 bis zur Selbstbefreiung am 11.4.1945. Otto Roth war im Lager technischer Leiter der internationalen Militärorganisation IMO und damit aktiv am illegalen Widerstand und der Selbstbefreiung der Buchenwaldhäftlinge beteiligt.
(vorgestellt wurde er von seinem Enkel und Baumpaten André Roth) - Gilberto Salmoni
Häftlingsnummer 44573, inhaftiert vom 5.8.1944 bis zum 11.4.1945, nach der Befreiung langjähriges italienisches Mitglied des internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD)
(vorgestellt von Andrea Grava, Vizepräsident des IKBD, Baumpate: Associazione Nationale Ex Deportati nei campi nazisti (ANED) - Justo Garcia Fernandez
und sieben weitere Buchenwaldhäftlinge aus der spanischen Provinz Guadalajara:
Marcelino Burgos Puerta, Andrés Caspuenas, Antonio García García, Justo García Fernández, Felipe López del Amo, Felipe Palomino, Pedro Martínez Martínez, Feliciano Catalán de Castro
(vorgestellt von seiner Angehörigen Paloma Garcia Atance, Vertreterin der Provinzregierung von Guadalajara und Delegierte für Guadalajara der Amical de Buchenwald) - 133 Männer und Frauen aus Guadalajara, die im KZ Buchenwald und anderen Nazi-Konzentrationslagern gefangen gehalten wurden
(vorgestellt von Schülerinnen und Schülern der spanischen Schule Agua Vivas, die sich mit den Lebensläufen der 133 Widerstandskämpfer beschäftigt hatten.)
Baumpaten der spanischen Widerstandskämpfer waren jeweils der Rat der spanischen Provinz Guadalajara und die Amical Buchenwald - Die Opfer im KZ Buchenwald, Opfer der Todesmärsche und der planmäßigen Morde an Menschen mit Behinderungen
Baumpate ist der Arbeitskreis „Rückblende – Gegen das Vergessen e.V.“ aus Volkmarsen zusammen mit Schüler*innen des Hüffertgymnasiums in Warburg
Nach der Begrüßung durch Brit Zeitner, Aufsichtsratsvorsitzende des Lebenshilfe-Werks, traten zwei Redner auf, die einige interessante Details vortrugen:
Prof. Jens-Christian Wagner, Stiftungsdirektor der Gedenkstätte Buchenwald, erzählte von der Geschichte des Ortes, an dem die Baumpflanzung stattfand:
An jener Stelle, an der heute nichts mehr zu sehen ist, befand sich 1933 eines der ersten Konzentrationslager in Deutschland, eine sogenanntes wildes KZ, in dem nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schlimmste Menschenrechtsverletzungen, Folterungen und Morde stattfanden. Professor Wagner sprach sich vehement dafür aus, diese Stätte der frühen Diktatur wieder stärker sichtbar zu machen.
Als weiterer Redner wies der Thüringer Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Prof. Steffen Teichert, darauf hin, dass die Wurzeln des Grundgesetzes bis nach Buchenwald reichen. Denn der Buchenwald-Häftling Dr. Hermann Brill, einer der Väter des Grundgesetztes, hatte mit einer Gruppe gleichgesinnter Häftlinge bereits vor der Selbstbefreiung des Lagers damit begonnen, sich über die geistigen Fundamente eines Deutschland nach dem Ende der Diktatur Gedanken zu machen.
Der Vortrag der Projektgruppe ANDENKLICH des Lebenshilfe-Werks, die das Ergebnis einer „Forschungsreise“ zu ihrem Projekt vortrug, leitete dann über zur eigentlichen Pflanzaktion. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Johanna Philipp mit Gitarre und Gesang.
Mit dem symbolischen Pflanzakt und der Übergabe der Urkunden an die Baumpaten endete die Pflanzzeremonie. Sie wird den Teilnehmer*innen in bester Erinnerung bleiben und hoffentlich dafür sorgen, dass das Projekt 1000 Buchen mit dem Pflanzen von noch viel mehr Erinnerungsbäumen unterstützt wird.
Dass es damit aber nicht getan ist, darauf verwiesen die spanischen Schüler in ihrem Beitrag:
„Mit Sorge beobachten wir heute das Wiederaufleben von Hass, Rassismus und faschistischen Haltungen, die wir überwunden glaubten. Die Gleichgültigkeit gegenüber heutigem Rassismus und die Intoleranz sind der erste Schritt zur Wiederholung des Grauens“
Alle Anwesenden waren sich einig: „Nie wieder“
Reinhold Loch / Dana Schulz
