Am Morgen des 12.4. 2026 versammelten sich mehr als 200 Angehörige von ehemaligen Buchenwaldhäftlingen, deren Freund:innen und Interessierte im Kinosaal der Gedenkstätte.
Bei der Begrüßung ging die Vorsitzende der LAG, Katinka Poensgen, auf aktuelle Themen ein: von Debatten um die Zukunft der Gedenkarbeit, über den für den Nachmittag angekündigten Besuch des Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“, den geplanten AFD-Parteitag im Juli in Erfurt bis hin zum „nicht ausgezeichneten“ Buch von Ines Geipel. (Eröffnungsrede)
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Referat der ehemaligen Archivarin der Gedenkstätte, Sabine Stein, mit dem Titel „Die Auswirkungen des 18. Oktober 1941 auf die Widerstandstätigkeit im Konzentrationslagers Buchenwald“. Viele waren gespannt, was sich hinter diesem Titel verbirgt. Vor 85 Jahren, am 18. Oktober, traf die erste große Gruppe von 2000 sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager ein. Es kam zu spontanen Solidaritätsaktionen, zur ersten Massenaktion gegen einen Befehl der SS.
Diese tobte, ermordete zwei führende kommunistische Lagerfunktionäre und verhängte drastische Strafen. Doch schon bald entwickelte sich nach diesem Schlag gegen den politischen Widerstand die internationale Solidarität in organisierten Strukturen neu und die sowjetischen Kriegsgefangenen wurden zu einer zentralen Kraft des illegalen bewaffneten Lagerwiderstands. Referat
Dann berichteten zwei Nachkommen:
André Roth berichtete von seinem Großvater, dem Elektriker Otto Roth, von seiner politischen Arbeit als Kommunist in Frankfurt, von seiner Verhaftung und Einlieferung in das KZ Buchenwald und seiner späteren Rolle im Lager als technischer Leiter der IMO (Internationale illegale Militärorganisation). Nach der Selbstbefreiung des Lagers kehrte Otto nach Frankfurt am Main zurück. Dort arbeitete er elf Jahre in der Betreuungsstelle für die NS-Verfolgten und half beim Wiederaufbau der KPD. Otto Roth gehörte zu den Gründungsmitgliedern der VVN und war ab 1958 bis zu seinem Tode 1969 Sekretär des Präsidiums der VVN. (Bericht)
90 Jahre nach dem Kampf der Internationalen Brigaden berichtete André Goldstein vom Einsatz seines Vaters, Kurt Julius Goldstein als Interbrigadist im Spanischen Bürgerkrieg. Bereits Ende Februar 1933 wurde Kurt Julius in Scharnhorst polizeilich gesucht und musste vor den Nazis untertauchen. Es folgten Stationen in Luxemburg, Frankreich und Palästina, bevor es ihn nach Spanien zog. Nach dem Sieg Francos 1939 wurde Kurt Julius zunächst in verschiedenen französischen Sammellagern interniert, um dann im Sommer 1942 nach Auschwitz verschleppt zu werden. Im Januar 1945 kam er mit einem Todesmarsch aus Auschwitz in Buchenwald an. Nach dem Ende des Faschismus arbeitete er als Journalist und Rundfunkintendant, engagierte sich als Zeitzeuge und im Internationalen Auschwitz-Komitee und genau wie Otto Roth in der VVN. (Rede André Goldstein)
Es folgte eine Erklärung der LAG (Erklärung)
Der Frauenchor Lyra aus Weimar sorgte für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung (Frauenchor Lyra).
Wir hoffen, dass möglichst viele der Teilnehmenden gestärkt für den antifaschistischen Alltag nach Hause zurückkehrten.
